November – Monochrome Momente

athen, Mittelmeer, Graustufen

Erde, Wasser, Luft

Dies ist leider bereits das vorletzte der „12 magischen Mottos“ von Paleica. Ein bisschen wehmütig werd ich da schon, denn auch wenn ich ab und an an den Mottos herumgenörgelt habe, hat mir das Projekt bisher insgesamt großen Spaß gemacht und ich habe nach den „Magic Letters“ auch hier wieder viel über Fotografie und vor Allem meinen eigenen Stil gelernt.

In die Reihe der fordernden aber meiner Meinung nach sehr guten Mottos passt auch das für den November.

Monochrome Momente

Ich wünsche mir von euch, dass ihr nun nicht einfach „irgendein“ Bild in schwarzweiß umwandelt, sondern dass ihr eine Momentaufnahme im wörtlichen Sinn macht. Ein Bild, das die Flüchtigkeit zeigt, das nur in diesem Moment genau in der Art möglich ist.

Paleica

Sie nennt dann auch noch ein paar Beispiele wie Wolken oder Wasser, die ständig ihre Form verändern und daher jedes Foto davon schon von Natur aus einzigartig ist.

Stockholm, Gammla Stan, Riksbron, Riksdagshuset

Riksdagshuset und Riksbron in Stockholm
(Quelle: aKerlin)

Das sind interessante Ansätze und mein erster Plan war, etwas in genau dieser Richtung zu machen. Dann fiel mir allerdings ein, dass ich eine fast identische Idee schonmal umgesetzt habe. Beim „Magic Letter“ „J wie Jetzt“ war genau das mein Konzept.

Also habe ich weiter gegrübelt bis mir etwas anderes einfiel.

Momentaufnahme

Das Motto „Monochrome Momente“ ist ja eigentlich eher eine technische Vorgabe. Die Herausforderung entsteht durch die nähere Erklärung, bei der mich besonders das Stück „Ein Bild, […] das nur in diesem Moment genau in der Art möglich ist.“ fasziniert.

Letztendlich habe ich mir für eins entschieden, dass auf den ersten Blick dem Ansatz, den ich oben eigentlich verworfen habe, optisch ähnlich ist. In diesem Fall macht erst die Hintergrundgeschichte das „Kunstwerk“ komplett.

Entstanden ist das Foto auf meiner Reise nach Athen und zeigt den Blick vom Lykabettus auf die Akropolis und das Mittelmeer. In meinem Athen-Beitrag gibt es zwei ähnliche Bilder in Farbe.

Der Moment zählt

Ich habe mich für dieses Foto entschieden, da es am besten die Erinnerung an genau den Moment, in dem es entstanden ist, weckt. Der unglaubliche Ausblick, der Wind, die warme Seeluft. Die gespannte Stimmung auf den bald beginnenden Sonnenuntergang. Der Geschmack des Bieres, das die Liebste im Restaurant eine Etage tiefer aufgetrieben hat. Das ungeduldige Gewusel der Leute um mich herum, die nur schnell irgend ein Selfie für facebook und Instagram vor dieser beeindruckenden Kulisse machen und der ältere Herr neben mir, der mit Stativ, Funkauslöser und diversen Glasfiltern angerückt ist, um genau das eine perfekte Foto zu machen.

Das meiste davon kann man auf dem Foto nicht sehen, für mich ist es aber untrennbar damit verbunden und hatte Einfluss darauf, wie dieses Foto entstanden ist. Ein flüchtiger Moment, der dieses Foto so ermöglicht hat.

Athen, Akropolis, Schwarz/Weiß, Graustufen

Dieser eine Moment…
(Quelle: aKerlin)

Auch hier sind Wolken und Wellen zu sehen, die dafür sorgen, dass dieses Foto so niemals wieder gemacht werden könnte, aber das ist für das Konzept dieses Mal gar nicht entscheidend.

Die Umsetzung

Optisch lebt das Bild für mich vor Allem von dem starken Hell-Dunkel-Kontrast, der aber im unteren Bereich durch die hellen Flecken, die die untergehende Sonne reflektieren, und im oberen durch die dunkleren Wolken aufgelockert wird. Außerdem stehen sich der sehr scharfe, detailreiche Vordergrund mit den Häusern und Straßen und der eher diffuse und weiche Himmel spannend gegenüber. Der Betrachter befindet sich genau zwischen diesen beiden Bereichen.

Der Horizont halbiert das Foto absichtlich. Der sehr ruhige Aufbau transportiert für mich das Gefühl von Gelassenheit, Entspannung und auch Erhabenheit, dass ich in dem Moment hatte, als das Foto entstand. Wenn man so hoch über einer solchen Szenerie sitzt, fällt es leicht all die kleinen Sorgen und Problemchen des Alltags für einen Moment hinter bzw. unter sich zu lassen.

Ich hoffe, dass Du diesen Moment und dieses Gefühl beim Betrachten des Fotos ein klein wenig nachempfinden kannst. Lass mich wissen, ob es klappt.

Monochrome Momente bei anderen

Wie bei meinen Beiträgen zu diesem Fotoprojekt üblich habe ich mich auch dieses Mal wieder durch die Teilnehmerliste geklickt und möchte auf ein paar Beiträge hinweisen, die mir besonders gut gefallen haben.

Gleich drei Beiträge haben sich auf eher experimentelle Art dem Motto genähert. Obwohl ich eigentlich nicht so der Fan von sehr viel Weißraum bin, gefallen mir die Fotos von Bees Milch-Experimenten außerordentlich gut. Ich hab es dort schon in die Kommentare geschrieben, aber bei ihr wirkt es einfach so, als müssten die Bilder genau so gestaltet sein, wie sie sie umgesetzt hat.

Sehr gut finde ich auch das Foto vom rasenden Roland von Patricia. Normalerweise würde ich vor der Idee, das Bild nachträglich unscharf zu machen, zurückschrecken, aber hier passt es sehr gut. Auf mich wirkt das Foto dadurch fast wie mit einer Lochkamera aufgenommen. Einfach stark!

Britta zeigt Fotos von Rauch, die das Thema ideal treffen. Noch besser als das Original gefallen mir aber die invertierten Versionen. Ich hab selber mal probiert Rauch so zu fotografieren und fand es deutlich schwieriger, als es auf den ersten Blick aussieht.

Bei Anna gibt es nicht nur großartige Fotos von verwelkten Sonnenblumen, die ich mir womöglich sogar als Bild in die Bude hängen würde, sondern auch noch einen absolut lesenswerten Text über die Motivation hinter dem Bloggen. Ich kann ihr da nur zustimmen.

Mir macht es unheimlich Spaß, mich mit den Dingen, die ich zuvor produziert habe, weiter auseinanderzusetzen, sie zu bearbeiten, aufzubereiten und zu präsentieren. Dabei ist es nicht wichtig, ob das Ergebnis dann 10 oder 1000 Leute sehen, denn mein Part – das Herstellen, Verarbeiten und Publizieren, also das was mir Freude macht – ist damit getan.

Anna / Ilvie-Katten.de

Natürlich freue ich mich, genau wie sie, wenn diese Arbeit von Leuten/Dir wahrgenommen, geteilt, kommentiert und diskutiert wird, aber ihre Einstellung, die ich genau so teile, nimmt der ganzen Geschichte den ungerechtfertigten Druck und die Erwartungshaltung. Und macht dafür Platz für mehr Spaß und Freude an den kleinen Dingen.

Meine Lieblingsfotos bei diesem Motto stammen von Lucy von fk-learning.de. Sie hat beeindruckende Bilder von einem Feuerwerk zusammengestellt, die entgegen meiner Erwartung in Graustufen ganz hervorragend funktionieren. Applaus für die tolle Idee und die fantastische Umsetzung!

Dies war ein sehr gutes Motto mit vielen sehenswerten Beiträgen. Ich bin schwer gespannt, was sich Paleica für das große Finale einfallen lässt und ob es im nächsten Jahr weitergeht. Ich bin schwer dafür und wäre wieder mit dabei!